Buchkritik: Steve Alten / 2012 - Schatten der Verdammnis

von Harry Fehlemann (Kommentare: 0)

Der romangewordene von Däniken

Das Jahr 2012 war für viele Verschwörungstheoretiker ein gefundenes Fressen. Und nicht nur unter denjenigen, die an den von den Mayas prophezeiten Weltuntergang felsenfest glaubten verursachte die bevorstehende Apokalypse einen deutlichen erhöhten Pulsschlag. Auch in den Medien wurde das Thema aus sämtlichen Blickwinkeln beleuchtet. Das führte selbst bei den vernunftbegabtesten Menschen zu einem völlig irrationalen Grummeln in der Magengegend. Je näher der Dezember 2012 rückte, desto häufiger fragte man sich entgegen jeder Logik: „Stimmt es vielleicht doch...?“ Mit dem Roman „2012 - Schatten der Verdammnis“ greift Steve Alten die Urangst vor der Maya-Prophezeiung auf und liefert eine phantastische Erklärung.

Der Autor - Qualität umstritten

Robert Steven „Steve“ Alten ist ein amerikanischer Science-Fiction-Autor. Der 1959 in Philadelphia, Pennsylvania, geborene Schriftsteller ist vor allem durch seine „Meg“-Serie bekannt geworden. Darin findet ein Tiefseetaucher der US Navy einen gigantischen prähistorischen Hai, der als ausgestorben galt. Die Werke von Alten werden sehr kontrovers betrachtet. Der Detailreichtum auf Basis vermeintlich wissenschaftlicher Erkenntnisse ruft immer wieder Kritiker auf den Plan, die ihn wegen seines pseudo-wissenschaftlichen Stils kritisieren. Andere hingegen loben seine Charakterzeichnungen und die Entwicklung der Geschichten.

Die Handlung

Die junge Dominique Vaszquez tritt eine Praktikumsstelle in einer psychiatrischen Anstalt an und bekommt dort den Auftrag, den Insassen Michael Gabriel zu betreuen. Er ist der Sohn von Julius Gabriel, einem Archäologen, der sich insbesondere mit den alten Kulturen der Maya, Azteken und Ägypter befasst hat. Bei seinen Forschungen machte er einige Entdeckungen, die den Wahrheitsgehalt der Maya-Prophezeiungen beweisen sollte. Während einer Vorstellung vor Kollegen wird er jedoch wegen seiner Schlussfolgerungen ausgelacht. Als sogar sein ehemaliger Freund Borgia ihn verhöhnt, erleidet er einen Herzinfarkt. Michael Gabriel, der bei der Präsentation anwesend war, verprügelt daraufhin Borgia und wird auf dessen Veranlassung in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen. Als Dominique die Betreuung von ihm übernimmt, vertraut er ihr das Geheimnis seines Vaters an und bewegt sie dazu, ihm die Flucht zu ermöglichen. Denn Gabriel weiß, dass nur er die Maya-Prophezeiung abwenden kann. Doch mit dem, was ihn bei der Suche nach einer Lösung erwartet, hat er nicht im Traum gerechnet.

Achtung: Spoiler voraus

„2012 - Schatten der Verdammnis“ - wie ich finde, erneut ein selten dämlicher Titel - hinterlässt einen recht zwiespältigen Eindruck. Die eigentliche Geschichte wird immer wieder unterbrochen durch lange Tagebuchpassagen von Julius Gabriel, in denen er die Erkenntnisse seiner Forschungen erläutert. Als Leser ist man geneigt, den darin enthaltenen Schlussfolgerungen blind zuzustimmen - und das nicht einmal im Kontext der Handlung, sondern tatsächlich im Hinblick auf den Stand der Wissenschaft. Die Ausführungen scheinen so plausibel, dass ich mich mehrfach gefragt habe, ob ich hier nun ein Fachbuch oder Fiktion in Händen halte. Schnell erliegt man dem Von-Däniken-Effekt. Man liest und denkt: „So könnte es gewesen sein. Das klingt logisch.“ Doch obwohl ich nicht zu den Menschen gehöre, die das Vorhandensein von außerirdischen Lebensformen - wo auch immer sie sich aufhalten mögen - gänzlich ausschließen, sind die von Steve Alten konstruierten Schlüsse in meinen Augen eine Nummer zu phantastisch.

Wenn man sich aber erst einmal aus der Däniken-Falle befreit hat, macht der Roman durchaus Spaß. Leider schaffen es die Hauptcharaktere kaum, die Sympathie des Lesers zu gewinnen. Michael Gabriel ist, allerdings aus verständlichen Gründen, zu fanatisch, Dominique schwankt hin und her zwischen verliebtem Teenager und rationaler Psychiaterin und Borgia ist zwar böse, aber blass. Einzig Ennis Chaney als amerikanischer Vizepräsident ist genau so, wie man sich einen guten Politiker wünscht: menschlich und vernünftig (also ebenfalls unrealistisch). Trotz dieses kleinen Makels schafft es der Autor, die Handlung konsequent voranzutreiben, so dass man kaum eine Atempause erhält. Actionreich, mit viel theoretischem Background zu den alten Kulturen und einer spannenden Weltuntergangsszenerie (die allerdings einige weitere, sehr stereotype Nebendarsteller hervorbringt) treibt er die Story zu ihrem Höhepunkt. Nervig sind hingegen die esoterischen Elemente, die aber zum Glück nur wenig Raum einnehmen. Auch die Liebesgeschichte zwischen Michael und Dominique wirkt nicht sonderlich überzeugend.

Als Unterhaltung geeignet

Steve Alten hat mit diesem Roman den von Däniken entwickelten Theorien eine Handlung gegeben. Wenn man das Buch als das nimmt, was es ist, eine spannende Science-Fiction-Story, dann macht das Lesen durchaus Spaß. Für Däniken-Anhänger besteht hingegen die Gefahr, dass sie in die Tagebuch-Einträge von Julius Gabriel zu viel Wahrheitsgehalt hinein interpretieren. In diesem Fall kann der Geschichte mehr Ernsthaftigkeit beigemessen werden, als sie verdient, und der Spaß bleibt damit auf der Strecke. Denn „2012 - Schatten der Verdammnis“ soll in erster Linie unterhalten, und das schafft der Roman recht gut. Die wenigen Negativpunkte spielen dann auch weiter keine Rolle. Nicht empfehlenswert ist das Buch allerdings für Leser, die Wert auf eine realistische Handlung, ausgefeilte Charaktere und fundierte wissenschaftliche Erkenntnisse legen. Auch wenn vieles fundiert klingt, trügt am Ende doch der Schein - und was bleibt, ist Science-Fiction.

Meine persönliche Beurteilung

Action

4/5 Sterne

Spannung

4/5 Sterne

Anspruch

2/5 Sterne

Lesespaß

3/5 Sterne

Mein Urteil

3.5 Sterne

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