Ein Hämmern drängte sich in meinen ohnehin unruhigen Schlaf. Das Geräusch war durchdringend und nur langsam realisierte ich, dass es gar nicht in meinem Kopf stattfand, sondern real war. Jemand hämmerte an meine Tür, jemand, der ganz offensichtlich mit der Bedienung einer Klingel nicht vertraut war. Mit einem missmutigen Brummen quälte ich mich aus dem Bett und schlug schlaftrunken die Richtung zum Flur ein. Die Augen noch nicht ganz klar, schlug ich mit der Schulter gegen die Kante des Kleiderschranks. Jetzt wurde aus meinem Missmut Ärger. Das Hämmern wurde stärker, fordernder. Beinahe hatte ich die Eingangstür erreicht, als es mir wie ein Stromschlag durch den Kopf schoss. Heute war der Tag. Heute wurde ich zum Sklaven degradiert, zu einem Werkzeug von Programmierern, diffusen Mächten – der Regierung vielleicht. Ich hielt in der Bewegung inne und schluckte schwer. Ich ahnte, was dort mit Nachdruck Einlass forderte, und ich hatte nicht die Absicht, dieser Forderung nachzugeben. Bereits seit Bekanntwerden der Pläne hatte ich mir das Gehirn zermartert, wie ich diesem Schicksal entgehen konnte, hatte Petitionen unterzeichnet, an Demos teilgenommen und mit zahlreichen Verantwortlichen diskutiert. Am Ende war alles umsonst. Es wurde beschlossen und zu meiner Unterstützung – welch ein Hohn – würde ab heute mein ganz persönlicher Robot für mich sorgen. Nun stand ich in dem noch dunklen Flur und das Hämmern dröhnte in meinen Ohren.
Was sollte ich machen? Mein Herz schlug einige Takte schneller. Es signalisierte mir, ich hatte Angst. Angst vor dem Neuen, Angst vor der Überwachung, Angst davor, im bequemen Sessel fett und faul zu werden. Ich wollte das nicht, hatte es nie gewollt. Das hatten andere für mich entschieden. Und abschalten konnte man das Ding nicht. Orwells schlimmster Albtraum, dachte ich. Doch was blieb mir übrig? Bevor das Ding noch die Tür zertrümmert und die gesamte Nachbarschaft aus dem Bett hämmert, musste ich wohl oder übel nachgeben. Vorerst, dachte ich. Mir wird später schon etwas einfallen.
Vorsichtig legte ich die Hand auf die Klinke, drückte sie langsam nach unten und hielt den Atem an. Vor meinem geistigen Auge sah ich glühende LED-Augen, in meinem Kopf hörte ich eine blecherne, tonlose Stimme und mir wurde bitterkalt. Dann holte ich tief Luft und riss den Türflügel auf.
Vor mir stand meine Nachbarin und schrie:
„Ach, auch schon wach? Könnten sie gefälligst mal ihr Auto wegfahren. Sie stehen im Weg.“

