Selbstzensur mit Themenorientierung

Autoren schreiben! Diese Feststellung kommt sicher nicht völlig überraschend. Und doch entspricht sie oftmals nicht unbedingt der Realität – insbesondere wenn ein Vertreter dieser Zunft dem Schreiben eher zum eigenen Vergnügen, denn zur Finanzierung seines Daseins nachgeht. In diesem Fall ist es dann, wie mit jedem Vergnügen: Man hat auch mal schlicht keine Lust dazu.

Mit Beginn des Weihnachtsurlaubes beschloss ich, meiner kürzlich frisch gestalteten Webseite endlich mal ein wenig Leben einzuhauchen. Die gerade einmal zwei News-Artikel in der dafür vorgesehenen Rubrik sind entweder alt (wenn auch thematisch nach wie vor aktuell) oder berichten von Offensichtlichem (plus ein wenig Beiwerk). Doch für den Versuch, Interessierte regelmäßig auf den Internetauftritt zu locken, reichen sie bei weitem nicht aus. Es muss also „Schlagzahl“ her, wie man im Marketing insbesondere im Zusammenhang mit der Häufigkeit von Posts in sozialen Netzwerken gerne zu sagen pflegt.

Also wird es Zeit für mich, ein paar Gedanken daran zu verschwenden, wie ich Leben in die virtuelle Bude kriege. Themen gibt es sicher genug, denn zu sagen habe ich viel. Doch nur weniges eignet sich zur Niederschrift genau an dieser Stelle, würde ich doch nur widerwillig allzu Kontroverses aus meiner Gedankenwelt preisgeben.

Warum?

Eine berechtigte Frage, die ich mit zwei Schlagworten beantworten könnte, die in einer gewissen Abhängigkeit voneinander stehen: Selbstzensur und Themenorientierung!

Der Umgangston im Internet ist, ausgehend von den sozialen Netzwerken, in den letzten fünf Jahren deutlich rauer geworden. Meinungen werden nicht mehr akzeptiert sondern immer häufiger attackiert, Ansichten sind zu unumstößlichen Ideologien geworden, Diskussionen arten in verbale Kriege aus, die nicht selten unter der Gürtellinie und mit persönlichen Angriffen ausgefochten werden. Die Lüge hat Hochkonjunktur und Webseiten von dubiosen Verschwörungsschwurblern und Propagandaorganen werden als seriöse Informationsquellen herangezogen – alles getragen und fest zementiert von besagter Ideologiehörigkeit.

In einem solchen Klima, das bereits im Ansatz eine unterschwellige Aggressivität ausstrahlt, ist es eine Frage der Abwägung, ob man bereit ist, sich daran zu beteiligen. So habe auch ich mich gefragt, welche Folgen es haben könnte, wenn ich als Autor auf meiner Internetpräsenz persönliche Gedanken zum allgemeinen politischen und gesellschaftlichen Geschehen verbreite.

Titelfoto: Mark Cruz

Die Frage ist eigentlich: Will ich mir den Stress antun, bösartige E-Mails zu bekommen, in den sozialen Netzwerken wüst beschimpft zu werden oder gar persönlich auf der Straße angegriffen zu werden? Die Antwort darauf bedurfte selbstverständlich keiner langen Überlegungen. Nein, ich will nicht!

Sie könnten jetzt sagen, dass sei feige, und ich stimme dem sogar in gewisser Weise zu. Doch angesichts der um sich greifenden Aggressivität und der Tatsache, dass ich mich leider nicht hinter einer Agentur verstecken kann, sondern gezwungen bin, im Impressum meine vollständige private Anschrift zu nennen, ist diese Feigheit schlichter Selbstschutz.

Damit wären wir dann auch bei den erwähnten Schlagworten. Denn diese Entscheidung führt in der Konsequenz zu einer Selbstzensur. Sie macht gleichzeitig deutlich, dass Rede- und Meinungsfreiheit in unserem Land zwar staatlich garantiert, gesellschaftlich aber nicht durchsetzbar sind – zumindest, wenn man nicht bereit ist, sich aggressiven Angriffen auszusetzen.

Also kann die Entscheidung für mich als Autor nur lauten, dass ich mich in meinen Blogs auf dieser Seite auf Themen konzentriere, die mit dem Schreiben zu tun haben. Dem aufmerksamen Leser wird hierbei sicherlich die eine oder andere Bemerkung auffallen, die auch als Meinungsäußerung durchgehen würde, aber in Summe bleiben die Texte ganz klar themenorientiert.

Sicher ist Ihnen das Paradoxon aufgefallen. Denn der Text, den Sie gerade lesen, in dem ich darlege, weshalb ich keine kontroversen Themen auf dieser Seite behandeln werde, behandelt ein kontroverses Thema!

Die Ausnahme von der Regel, könnte ich jetzt behaupten. Doch tatsächlich wird es diese Ausnahmen durchaus geben. Sie werden sehr selten sein und vor allem werden sie nie auf bestimmte Personengruppen oder gar Personen abzielen. Aber ich bin ein zu politischer Mensch, als dass ich immer stillhalten könnte. Und so wird sich im Laufe der Zeit auch hin und wieder etwas Konfliktpotenzial in meine Blogs verirren. Doch in aller Regel werde ich brav sein und über meine schreibende Tätigkeit, meine Ideen, Projekte und Aktivitäten berichten.

Ich freue mich, wenn Sie bei Gelegenheit wieder vorbeischauen.

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